Pauschalbesteuert

Konrad Koller ist so ein richtiger Selfmademan. Er hat ein trotz Rezession florierendes Unternehmen aufgebaut, bei dem er nach wie vor ein hemdsärmliger, bodenständiger, solider Patron ist. Nicht alle mögen ihn, fürchten seinen Jähzorn, aber er ist als guter Arbeitgeber akzeptiert. Koller hat auch ordentlich Kohle gemacht mit seinem Unternehmen. Er zahlt, wenn auch murrend, mehrere 100’000 Franken Steuern.

Kürzlich hat es ihm aber fast den (nicht existenten) Nuggi rausgehauen: Sein Nachbar, auch ein Unternehmer (aber so ein schmieriger mit Gel im Haar, kein rechter Siech) hat ungefähr gleich viel Geld wie er, zahlt aber zehnmal weniger Steuern. Warum? Weil er Ausländer ist und ein Abkommen zur Pauschalbesteuerung ausgehandelt hat. Seine Wut noch knapp beherschend, liest er nach, was die Pauschalsteuer ist: Ausländer, die in der Schweiz nicht erwerbstätig sind, können nach Aufwand besteuert werden.

Es wird ein Einkommen angenommen, das so gross ist wie ihre Lebenskosten hier, unabhängig davon wieviele Millionen und Milliarden sie besitzen und entsprechend Dividenden und Zinsen erhalten. Weil die Lebenskosten etwas schwierig zu berechnen sind, wird der fünffachen Mietwert ihrer Liegenschaft beigezogen. Ist dies also eine Villa mit einer monatlichen Miete von 20’000 Franken, beträgt das steuerrelevante Einkommen 20’000x12x5=1.2 Millionen. Dass diese Person vielleicht ein Vermögen von 200 Millionen besitzt, das jährlich 5% Zinsen abwirft (also 10 Millionen), ist irrelevant. Steuern werden auf die 1.2 Millionen bezahlt, und daher ungefähr zehnmal weniger als wirklich fällig würden, wenn das wirkliche Einkommen von 10 Mio. zählen würde.

Dies gelesen, ist es vorbei mit Konrad Kollers Selbstbeherrschung: Er stürmt in die Villa seines Nachbars, wirft den Butler in den Pool und… (der Rest ist zu wüst um hier erwähnt zu werden) Ist Kollers Wut verständlich?

Auch wenn seinesgleichen nicht unbedingt meine Freunde sind: Diese Ungleichbehandlung ist stossend, und durch nichts zu rechtfertigen. Vielleicht kann man damit ein paar sympatische (Tina Turner) oder weniger sympathische (Theo Müller) Leute in den Kanton Zürich locken. Dazu braucht es allerdings keine
zwielichtigen Deals mit dem Steueramt – die dem Kanton Zürich schliesslich nur 6 Mio. Franken Steuerertrag pro Jahr bringen. Denn Zürich ist auch so schon ein sehr attraktiver Standort.

Mit einem JA am 8. Februar zur Abschaffung der Pauschalsteuer kann diese Ungerechtigkeit beseitigt werden – damit Kollega Koller wieder ruhig schlafen kann.

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