Fight the game!

„Alle Jahre wieder!“ ­sieht man sich einer allseits bewussten Frage konfrontiert, die noch immer beantwortet werden will: Wieso verdienen auch im 21. Jahrhundert Frauen noch immer weniger als Männer? Zumindest heute muss diese Frage von der ganzen Politik und Gesellschaft diskutiert werden, da wir am 7. März seit 1966 jährlich den Equal Pay Day angehen. Noch bekannter ist der morgen folgende internationale Frauenkampftag.

Eine Erhebung über die Lohnstruktur im Kanton Zürich hält ein lange bekanntes Bild fest: Frauen verdienen im Schnitt 24% weniger als Männer. Für StatistikerInnen und TechnokratInnen sind die Gründe immer schnell gefunden: Mangelnde Ausbildung, schlechte Repräsentation in den Finanzbranche, weniger Erfahrung und seltene Karriereambitionen. Das sind aber keine Gründe, sondern Auswirkungen eines grundsätzlichen Problems: Frauen verdienen weniger, weil das Kapital auf Rollenspielchen steht. Ein Wirtschaftssystem, deren Prozesse letztendlich nur auf die Verwertung von investitionsfähigem Kapital in stetem Wachstum ausgerichtet sind, kommt schon mittelfristig gar nicht darum herum, aus Arbeitnehmenden ein immer „besseres“ Kosten-­Nutzen­Verhältnis herauszuholen. Da kommt ein Jahrtausende altes Geschlechterbild der Familien­ und Kinderpflegerin gerade recht. Das beweist schon das Verhältnis der Lohndiskriminierung ­ für gleiche Arbeit in gleicher Position verdienen Frauen weiterhin über 500 Franken monatlich weniger. Nur schon die heutige Ausgangslage für Frauen in Gesellschaft und Wirtschaft musste bitter erkämpft werden und zwar in jedem Fall gegen die Interessen der Besitzenden! Wir wissen auch, wer sich heute gegen eine bessere Arbeitsintegration von Frauen wehrt. Deshalb kommt man bei der Frage der Lohnungleichheit gar nicht daran herum, den Kapitalismus in Frage zu stellen, wenn er „von Geburt an“ uralte Stereotypen zum Kostendrücken gebraucht.

Drei Vorschläge also aus ökonomischer Sicht, was man tun muss:

  1. Grund Nr. 1, wieso Frauen im Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt nicht mithalten können, ist, weil der Grossteil von ihnen sich teilweis oder ganz für die ‘care economy‘ aufgibt bzw. dahingehend gezwungen wird. Damit gemeint sind alle reproduzierenden, nicht entschädigten Arbeiten, ohne die kein Mann der Welt je hätte eine Arbeitskraft werden können. Nur schon deshalb ist ein solcher Wettbewerb dumm und gehört durch eine stärkere soziale Verantwortung der Unternehmen überwunden. Dabei soll es nicht einfach bei höheren Steuern bleiben, sondern um einen Kampf der Betroffenen dafür, dass Profiteure der Wertschöpfung das familiäre und persönliche Umfeld der Mitarbeitenden finanziell stärken. Anderer kontrovers diskutierte Ideen sind das BGE oder die Negativsteuer.
  2. Auf Ebene der Gewerkschaften ist man nach wie vor gefragt, für Familienfrauen und ­männer bessere Teilzeitbedingungen herauszuholen. Hier müssen die Arbeitnehmenden von innen und aussen Druck machen und sich über die staatlichen Gesetzesebene die Macht nehmen. Es müssen gerade für die wahren FamilienernährerInnen ausreichend Möglichkeiten geschaffen werden, die entsprechend der Leistung auch entlöhnt werden.
  3. Einen riesen Penalty hat der Souverän am 3. März vergeigt. Hier hätte man an einer weiteren wichtigen Stelle ansetzen können: Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch einen Ausbau der staatlichen Erziehung und Betreuung. Es ist eigentlich unbestritten, dass die Geschlechterunterschiede sich dort verlieren, wo sich Kinder schon von früh an in ein gleichberechtigtes Gefüge einfinden müssen. Ausserdem ­ und das liegt noch mehr auf der Hand ­ ist Frau und Mann, alleinerziehend oder nicht, sehr geholfen, wenn ein langfristig ausreichendes Einkommen von beiden Elternteilen nicht auf Kosten der Erziehung geht.

Selbstverständlich müssen Veränderungen in der Wirtschaft mit sozialen Umwälzungen in der Geschlechterwahrnehmung einhergehen. Doch ersteres wird angestossen werden müssen; denn der Kampf für mehr Frauenrechte ist nicht der Kampf gegen Männerrechte, wie uns Alice Schwarzer und andere PostmaterialistInnen glauben machen wollen. Der Grund, dass heute Ungleichheit existiert, ist, weil sich daraus Kapital schlagen lässt. Deshalb rufen wir als JUSOs anlässlich des Equal Pay Day dazu auf: „Don’t fight the players, fight the game!“

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