Metalli-Petition eingereicht!

Die MSW (Mechatronik Schule Winterthur) feiert dieses Jahr ihres Jubiläum. Seit 125 Jahren werden dort Lehrlinge für metallverarbeitende und Automationsberufe ausgebildet. Der Fokus liegt auf der Verbindung von Theorie und Praxis, weshalb die MSW nicht nur eine Berufsschule beinhaltet sondern auch diverse Werkstätte. Die Schule ist äusserst erfolgreich: die Lehrlinge gewinnen regelmässig Preise an Berufsmeisterschaften und viele AbgängerInnen besuchen danach die Technische Hochschule, welche sich nur wenige Meter davon entfernt befindet.

Nachdem die Stadt Winterthur und der Kanton Zürich jahrelang einseitig Steuern für Reiche und Grosskonzerne gesenkt haben (bzw. sie wie im Beispiel der FIFA oder der CS gar nicht erst eintreiben), sind die Staatskassen leer und man versucht jetzt an allen Ecken und Kanten zu sparen. Ziel der Sparübung wurde jetzt auch die MSW, wofür weder der Kanton noch die Stadt weiter gewillt sind Beiträge zu zahlen, weshalb ihre Zukunft ungewiss ist. Die SP hat deshalb zusammen mit der JUSO innerhalb eines Monats eine Petition lanciert und mit 2300 Unterschriften eingereicht, welche den Stadtrat dazu aufruft, die Nachfolgefinanzierung sicherzustellen.

Die Unterschriftensammlung verlief äusserst erfolgreich. Am Jubiläumsfest der „Metalli“ wurden innerhalb von sechs Stunden 1000 Unterschriften gesammelt, über ein dutzend Geschäfte in der Altstadt legten bei sich Bögen auf. Die „Metalli“ ist nicht nur ein Stück Winterthurer Geschichte, sondern auch der beste Beweis, was für absurde Wendungen der bürgerliche Sparwahn einnimmt. Einsparungen in der Bildung können nur nach hinten losgehen, da schlecht ausgebildete Jugendliche später nur mindere Arbeiten übernehmen können oder gar keine Stelle finden. Dies führt zu Folgekosten, welche die vermeintlichen Einsparungen um ein Mehrfaches übertreffen. Insbesondere wenn die Stadt dann den halben kantonalen Polizeiapparat mobilisiert, wenn die Jugendlichen, auf deren Buckel gespart wird, friedlich gegen diese Massnahmen protestieren wollen.

Die MSW könnte ohne Frage auch ohne staatliche Beiträge geführt werden, wenn die Unternehmen, welche von den hervorragend ausgebildeten Jugendlichen profitieren, einen angemessenen Beitrag leisten würden und nicht nur daran interessiert wären ihre Steuern zu „optimieren“. Diese Finanzierung könnte zum Beispiel durch den Bildungsfonds geschehen, der genau für solche Zwecke geschaffen wurde. Keinesfalls würde die JUSO eine Gebührenerhöhung unterstützen, welche die Schulkosten auf die SchülerInnen abwälzt und auf diese Weise den Zugang zu Bildung vom Portmonee der Eltern abhängig macht. Schon heute müssen Lehrlinge von ausserhalb von Winterthur z. T. horrende Beiträge von bis zu 20-Tausend Franken zahlen, dies gehört unserer Meinung nach abgeschafft. Bis die Nachfolgefinanzierung nicht sichergestellt ist, muss die Stadt die Subventionierung aufrechterhalten, da ansonsten die Existenz der MSW ernsthaft gefährdet wäre.

Die JUSO hat heute zusammen mit der SP und der gesamten Schüler- und Lehrerschaft der MSW die Petition dem Stadtrat Fritschi überreicht. Bei seiner Rede vor der Metallschule meinte Co-Präsident der JUSO Winterthur, Nyima Tsering, dazu: „Diese 2300 Unterschriften stehen für das Vertrauen der Winterthurer Bevölkerung in die MSW. Sie gehört für uns zu unserer Stadt wie der „Holidi“ oder die Stadtgärtnerei. Winterthur geniesst vor allem im technischen Bereich ein sehr hohes Ansehen als Bildungsstadt. Diesen Ruf wollen wir erhalten und dafür wollen wir die „Metalli“ für weitere 125 Jahren.“. Auch ein Schüler der MSW ergriff das Wort und lobte die ausgezeichnete Arbeit der Lehrerschaft, hier lerne man nicht nur für den Beruf sondern fürs Leben. Dass die Stadt ein solches Projekt einfach begraben will, sei völlig unverständlich. Der anwesende Stadtrat Stefan Fritschi gab sich wortkarg und will schauen, was man tun kann. Auf jeden Fall bot sich ihm mit der versammelten Schülerschaft ein eindrückliches Bild. Wo im Politalltag auf dem Blatt bloss ein paar Zahlen sind, stehen im realen Leben richtige Menschen, die bereit sind für ihre Rechte zu kämpfen. Die Sparwut der Bürgerlichen geht weiter, die nächste Abbauwelle erscheint bereits am Horizont. Heute aber haben wir ein starkes Zeichen gesetzt, dass wir uns nicht wegsparen lassen werden.

Co-Präsident der JUSO Winterthur
Nyima Tsering

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