Alternative Wirtschaftstheorien an der Universität Zürich

Auch dieses Semester gibt es wieder marxistische, feministische und ökologische Ökonomik an der Uni Zürich! Wie bereits vor einem Jahr organisiert der Verein Plurale Ökonomik Zürich die Vorlesung “Plurale Ökonomik”  auch im HS19. 

Bereits 2013 haben VWL-Studierende der Uni Zürich die Lehre an der UZH angegriffen: Sie sei einseitig fokussiert auf die neoklassische Theorie und zu wenig kritisch. Als Antwort darauf hat eine Gruppe Studierender begonnen, eine anrechenbare Vorlesung “Plurale Ökonomik” zu organisieren. Heute, am 19. September startet die zweite Durchführung. Die Vorlesung findet jeweils am Donnerstag von 16:15 bis 18:00 im KOL-F-101 der Uni Zentrum statt, alle Interessierten sind herzlich willkommen. Ziel ist es, die nahezu absolute Vormachtstellung der Neoklassik zu durchbrechen; Am 10. Oktober beispielsweise mit einer Vorlesung zu ökologischer Ökonomik von Irmi Seidl, und am 31. Oktober mit Käthe Knittler zur feministischen Ökonomik. Aber auch marxistische politische Ökonomie oder die Modern Monetary Theory (MMT, spielt für die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders  eine grosse Rolle) haben selbstverständlich ihren Platz in dieser Veranstaltung. 

Aus Sicht von uns Studierenden ist es entscheidend, dass angehende Ökonom*innen in der Lage sind, wirtschaftliche Phänomene aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Insbesondere nach einer Wirtschaftskrise, die viele Mainstream-Ökonom*innen zuvor als unmöglich angesehen hatten, müssen wir unseren Blick wieder kritisch schärfen. Aber die Einseitigkeit der heutigen VWL zeigt sich nicht nur beim Umgang mit der Krise: Statt die Natur als essentielle Voraussetzung unseres Produktionssystem anzusehen, fristet sie in der Neoklassik ein Randdasein. Die ganzheitliche Integration der Natur in unser Wirtschaftsverständnis lässt weiterhin auf sich warten, und die Diskussion über Wachstum wird schlicht nicht geführt. Auch die Frage nach der Rolle von Frauen* in Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, insbesondere aber die Care-Ökonomie ist heute praktisch abwesend. Zudem werden vielversprechende Ansätze der Modellierung vernachlässigt. Unten findest du das Vorlesungsprogramm, mit welchem wir diese Misstände bekämpfen möchten.

 

19.09. Ideengeschichte: Der Ursprung der Ökonomik in der Ethik, Dr. Suzann-Viola Renninger & Prof. Ulrich Woitek / UZH

26.09. Wissenschaftstheorie: Die Mathematisierung der Ökonomik, Dr. Suzann-Viola Renninger & Prof. Ulrich Woitek / UZH

03.10. Inwiefern braucht es eine neue Denkschule? Prof. Marc Chesney / UZH

10.10. Gegen die Naturvergessenheit der Ökonomie (Ökologische Ökonomie), Prof. Irmi Seidl / WSL

17.10. Österreichische Schule – Neoliberalismus (vorläufiger Titel), Rahim Taghizegdan / scholarium Wien

24.10. Die Tretmühlen des Glücks und die damit verbundenen Herausforderungen für die ökonomische Theorie (Glücksforschung), Prof. Mathias Binswanger / FH Nordwestschweiz

31.10. Blinde Flecken, Strategisches Schweigen: Über Geschlechterverhältnisse in der Ökonomik (Feministische Ökonomik), Käthe Knittler / Wien

07.11. Marxismus (vorläufiger Titel), Prof. em. Urs Marti / UZH

14.11. Komplexitätsökonomik (vorläufiger Titel), Noch offen

21.11. Postwachstumsökonomik (vorläufiger Titel), Prof. Angelika Zahrnt / iöw Berlin

28.11. Modern Monetary Theory (MMT) and the post-Keynesian view of government deficits, Prof. Marc Lavoie / University Ottawa

05.12. New Institutional Economics: A progressive research agenda, Prof. em. Claude Menard / Centre d’Economie de la Sorbonne

12.12. Verlust der politischen Ökonomik, Prof. em. Josef Falkinger / UZH

19.12. Diskussionsrunde: Das Studium der Volkswirtschaftslehre an der UZH (vorläufiger Titel), Studierende VWL & Prof. Ralph Ossa (Institutsleiter Department of Economics)

 

Kommentar verfassen