Offener Brief an Mario Fehr

Sehr geehrter Herr Sicherheitsdirektor Mario Fehr

COVID-19 hält die Schweiz in Atem. Noch nie wurden so einschneidende Massnahmen für die Schweizer Bevölkerung beschlossen und trotzdem breitet sich das Virus immer noch aus. Es macht auch vor den Zürcher Asylzentren und Notunterkünften nicht halt. Die Lebensumstände der Bewohner*innen sind schon unter normalen Umständen heikel, mit der Ausbreitung des Virus’ jedoch wird die Situation der Geflüchteten lebensbedrohlich. Küchen, Duschen und WCs werden von fast allen Bewohner*innen gemeinsam genutzt, die Sicherheitsregeln des BAG sind daher kaum umsetzbar. Auch teilen sich die Bewohner*innen ihre kleinen Zimmer teilweise mit bis zu 17 anderen Personen. Es gibt bereits mehrere bestätigte Fälle in den Zentren und Ärzt*innen haben sich schon öffentlich gegen die vorherrschenden Zustände ausgesprochen. Doch bisher haben Sie, Herr Fehr, den Inhalt dieser Kritik nicht ernst genommen und meinten lediglich, mit «betrieblichen Anpassungen» würden die Sicherheitsregeln des BAGs umgesetzt werden können.

Dies sehen wir nicht so, deshalb fordern wir Sie auf:

  • Social Distancing muss auch in den kantonalen Asylzentren und Notunterkünften möglich sein.
  • Die Bewohner*innen der Unterkünfte sollen durch Übersetzer*innen in ihren jeweiligen Muttersprachen über die Massnahmen informiert und aufgeklärt werden.
  • Risikopersonen müssen sofort Zugang zu separaten, eigenen sanitären Anlagen bekommen und ihnen muss Isolation ermöglicht werden, ohne dass sie dafür in ihren Zimmern eingesperrt sein müssen.
  • Jede Person mit COVID-19-Verdacht gehört sofort isoliert und getestet – ein Ausbruch in den Unterkünften darf unter keinen Umständen geschehen.
  • Es dürfen keine positiv Getesteten weiterhin in den Unterkünften wohnen. Die sanitären Anlagen lassen dies schlicht nicht zu und eine Isolation in den Unterkünften würde einem Gefängnisaufenthalt gleichkommen.
  • Alle kranken Personen müssen eine gesundheitliche Betreuung erhalten und die Einweisung in Spitäler muss nach den gleichen Prinzipien wie beim Rest der Bevölkerung erfolgen.
  • Damit diese Forderungen eingehalten werden können, müssen neue Wohnungen und Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden. Denkbar wäre auch, falls anders nicht umsetzbar, eine Umquartierung der Bewohner*innen in leerstehende Hotels.

Wir hoffen auf Ihr schnelles Handeln, denn die Gesundheit der Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und abgewiesenen Asylbewerber*innen steht auf dem Spiel.

Mit freundlichen Grüssen
Für die JUSO Kanton Zürich

Luca Dahinden                                                                          Nadia Kuhn

Co-Präsident JUSO Kanton Zürich                                        Co-Präsidentin JUSO Kanton Zürich

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