Sichere Plätze für Frauen* – Wir brauchen eine Diskursverschiebung!

Im Kampf gegen häusliche Gewalt an Frauen* und ihren Kindern spielen Frauen*häuser eine wichtige Rolle. Denn nicht nur Frauen*, die nach einer Gewalttat ihres Partners* eine Notunterkunft suchen, können sie helfen, nein, Frauen*häuser übernehmen auch in der Präventionsarbeit eine wichtige Rolle. So können Frauen*, welche sich von ihrem Partner* bedroht fühlen, auch wenn dieser noch keine Gewalttat begangen hat (und somit von der Polizei noch nicht festgenommen werden kann), in Frauen*häusern unterkommen.

Jedoch gibt es in der Schweiz einen grossen Mangel an nötigen Plätzen, was dazu führt, dass Frauen* immer wieder von den Frauen*häusern abgewiesen werden und teilweise sogar in Hotels unterkommen müssen. Dies ist sehr problematisch, da ihre Sicherheit und die ihrer Kinder in einem Hotelzimmer nicht gewährleistet werden kann.

Zudem verstösst dieser Mangel an Plätzen für Frauen*, die Opfer häuslicher Gewalt sind, auch gegen die Istanbul-Konvention des Europarats. Diese besagt nämlich, dass pro 10’000 Einwohner*innen eine sichere Unterbringungsmöglichkeit gewährleistet sein muss. Teilt man die 8 Millionen Einwohner*innen der Schweiz durch 10’000, käme man also auf 800 Plätze, welche die Schweiz zur Verfügung stellen müsste. Fakt ist jedoch, dass nicht einmal die Hälfte dieser Plätze gewährleistet ist. Dieser Mangel macht sich jetzt während der Corona Krise besonders bemerkbar, denn wieso sonst hätten kantonale Behörden den Fachorganisationen nahegelegt, neue Unterkünfte für Unterbringungen anzumieten und gesagt, dass sie die Kosten übernehmen würden? Während aktuell die Fälle von häuslicher Gewalt an Frauen* steigen, stehen diese einem Mangel an Plätzen gegenüber.

Doch was muss sich ändern, damit so etwas nicht mehr geschieht? Laut Bundesamt für Statistik gab es letztes Jahr 11’058 Fälle häuslicher Gewalt, davon betrafen 7’949 Frauen* und Mädchen* – und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher. 

Diese hohe Zahl an Opfern ist schockierend. Und leider überrascht die deutliche Mehrheit an weiblichen Opfern nicht. Denn für mich zeigt sie eines deutlich: Die strukturelle Diskriminierung, unter denen FINT*-Menschen (Frauen*, Intersexuelle, Non-binäre und Trans-Menschen) in dem patriarchalen System leiden. Diese zeigt sich hier unter anderem darin, dass die häusliche Gewalt, der die Frauen* und ihre Kinder ausgesetzt sind, in einem System geschieht, das diese Gewalt nicht annähernd adäquat auffangen kann. 

Die Corona Krise bietet uns die Möglichkeit, den Diskurs auf diese erschreckende Zahlen und die Folgen des Patriarchats zu lenken. Tun wir es! Denn wenn wir gegen diese Unterdrückung ankämpfen, machen wir deren Ursachen sichtbar. Und wir können fordern, dass sich dies ändert. In einem ersten Schritt hätten wir so genügend Plätze für Frauen* und ihre Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt sind und langfristig bräuchten wir dann vielleicht gar keine Plätze mehr!

Lea Gasser
JUSO Mitglied

 

Quellen: 

Watson: 

https://www.watson.ch/schweiz/gesellschaft%20&%20politik/673142591-haeusliche-gewalt-platzmangel-in-schweizer-frauenhaeuser-opfer-abgewiesen 

zh.ch: 

https://www.zh.ch/internet/de/aktuell/news/medienmitteilungen/2020/unterstuetzung-von-opfern-haeuslicher-gewalt-wird-verstaerkt.html

Bundesamt für Statistik:

https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/polizei/haeusliche-gewalt.assetdetail.12327156.html

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