Alternative Wirtschaftstheorien an der UZH

An der Uni Zürich werden nun marxistische, feministische und ökologische Wirtschaftstheorien behandelt!

Bereits 2013 haben VWL-Studierende der Uni Zürich die Lehre an der UZH angegriffen: Sie sei einseitig fokussiert auf die neoklassische Theorie und zu wenig kritisch. Als Antwort darauf hat eine Gruppe Studierender begonnen, eine anrechenbare Vorlesung “Plurale Ökonomik” zu organisieren. Seit letzter Woche findet diese jeweils am Montag von 18:15 bis 20:00 im K02-F-180 der Uni Zentrum statt, alle Interessierten sind herzlich willkommen. Ziel ist es, die nahezu absolute Vormachtstellung der Neoklassik zu durchbrechen; Am Montag, 1. Oktober beispielsweise mit dem bekannten marxistischen Ökonom Fritz Helmedag, der eine Vorlesung zur Arbeitswerttheorie halten wird.

Aus Sicht von uns Studierenden ist es entscheidend, dass angehende Ökonom*innen in der Lage sind, wirtschaftliche Phänomene aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Insbesondere nach einer Wirtschaftskrise, die viele Mainstream-Ökonom*innen zuvor als unmöglich angesehen hatten, müssen wir unseren Blick wieder kritisch schärfen. Aber die Einseitigkeit der heutigen VWL zeigt sich nicht nur beim Umgang mit der Krise: Statt die Natur als essentiellen Teil unseres Produktionssystem anzusehen, fristet sie in der Neoklassik ein Randdasein. Die ganzheitliche Integration der Natur in unser Wirtschaftsverständnis lässt weiterhin auf sich warten, und die Diskussion über Wachstum wird schlicht nicht geführt. Auch die Frage nach der Rolle von Frauen* in Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, insbesondere aber die Care-Ökonomie ist heute praktisch abwesend. Zudem werden vielversprechende Ansätze der Modellierung vernachlässigt. Aus diesen Gründen präsentieren wir unter anderem Vorlesungen zu feministischer Ökonomik, Post-Wachstumsökonomie und Ökologischer Ökonomik. Das ganze Programm sieht wie folgt aus:

01.10. Zur Relevanz von Karl Marx im 21. Jahrhundert, Prof. Dr. Fritz Helmedag

08.10. Introduction to the Austrian School of Economics, Dr. Thorsten Polleit*

15.10. Dynamische Ökonomie statt Gleichgewichtstheorie, Prof. emer. H. Flassbeck

22.10. Postwachstumsökonomie: Konzepte für eine reduktive Moderne, Dr. Matthias Schmelzer*

29.10. Gegen die Naturvergessenheit der Ökonomie, Prof. Irmi Seidl

05.11. Die Tretmühlen des Glücks und die damit verbundenen Herausforderungen für die ökonomische Theorie, Prof. Mathias Binswanger

12.11. Warum ist die Ökonomie komplex? Und warum muss Komplexitätsökonomie “heterodox” sein? Dr. Wolfram Elsner*

19.11. Blinde Flecken, Strategisches Schweigen: Über Geschlechterverhältnisse in der Ökonomik, Dr. Bettina Haidinger

03.12. Inwiefern braucht es eine neue Denkschule? Prof. Marc Chesney

Joël Bühler studiert Volkswirtschaftslehre in Zürich.

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