Offener Brief an Thomas Heiniger

Sehr geehrter Herr Heininger

Vor vier Jahren – ich war zum damaligen Zeitpunkt 15 – versuchte ich mir das Leben zu nehmen. Ich schluckte all die Tabletten, deren ich habhaft werden konnte, und wartete. Irgendwann begann mein Herz zu rasen, unheimlich schnell, ich wurde panisch, konnte nicht mehr atmen, nicht mehr denken, alles war so verschwommen, die Wände rückten immer näher und ich musste raus, raus, einfach nur raus. Auf der Strasse brach ich zusammen und wurde notfallmässig ins Spital eingeliefert.

Sie fragen sich bestimmt, warum ich Ihnen das alles erzähle. Nun, am 21. Mai wird im Kanton Zürich über die Privatisierung des Kantonspital Winterthurs und der Integrierten Psychiatrie abgestimmt. Werden diese Spitäler jedoch an Private verscherbelt, sind sie gezwungen, Gewinn zu erwirtschaften – auf Kosten der Patient*innen und der Angstellten. Denn um Profit zu erzielen, müssen die Ausgaben gesenkt werden – indem Stellen gestrichen, Arbeitsbedingungen verschlechtert und geringer qualifiziertes Personal eingstellt wird. Oder die Spitäler ordnen unnötige und teure Untersuchungen und Massnahmen an, um so die Gesundheitskosten in die Höhe zu treiben. Darunter leiden werden insbesondere die Angstellten in der Pflege, die bereits jetzt an ihre Grenzen stossen und die in Zukunft keine Zeit mehr haben werden, sich Patient*innen wie mir anzunehmen. Das kann Leben kosten.

Sie, sehr geehrter Herr Heiniger, versuchen aus dem Leid psychisch und physisch kranker Menschen möglichst viel Profit herauszuschlagen. Der Mensch verschwindet bei einer solchen Gewinnfixierung jedoch völlig aus dem Blickfeld. Das darf nicht passieren! Patient*innen sind keine Ware und Gesundheit kein Geschäft.

Kein Profit aus meinem Suizidversuch!

Mit freundlichen Grüssen

Eine Betroffene

 

Kapital statt Arbeit besteuern – die neue juso-initiative

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Die meisten Menschen arbeiten: Die Lehrerin, der Krankenpfleger, die Fabrikarbeiterin – sie alle leisten einen Beitrag zur Gesellschaft. Für ihre Arbeit erhalten sie einen Lohn. Das sind Arbeitseinkommen. Du, ich, wir alle gehören dazu: Die absolute Mehrheit der Menschen gehört zu diesen Leuten. Es gibt aber auch Menschen, die tragen nichts zur Gesellschaft bei und werden trotzdem immer reicher und reicher. Sie lassen ihr Geld für sich arbeiten und erhalten Zinsen auf ihr eh schon gewaltiges Vermögen, profitieren davon, dass sie ihre Immobilien noch teurer vermieten können und streichen sich Dividenden ein. Das sind Kapitaleinkommen.

Mit der Initiative, für die sich die Delegiertenversammlung der JUSO Schweiz auf Antrag der JUSO Kanton Zürich am 5. November in Biel entschiedenen hat, wollen wir, dass endlich unterschieden wird, ob das Geld, das am Ende des Monats auf dem Konto landet, davon kommt, ob du gearbeitet hast oder davon, ob du einfach schon im Geld schwimmst. Dieses unrechtmässig angeeignete Geld wird dann 1.5 so stark besteuert wie normaler Lohn. Und das ist verdammt viel: Abzocker_innen müssten über die Hälfte ihres Kapitaleinkommens wieder abgeben. Diese Milliarden Mehreinnahmen können wir dann direkt an die arbeitende Bevölkerung zurück verteilen.

Wie pervers die Einkünfte durch diese Kapitaleinkommen sind, zeigt das Beispiel der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009 auf eindrückliche Weise. Während die Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern auf ein Rekordhoch gestiegen ist, während massenweise Menschen ihren Job und ihre Häuser verloren haben, während riesige Banken mit Milliarden vom Staat gerettet werden mussten, ja während dieser Zeiten, steigerten die Reichen ihren Reichtum sogar noch. Dies ist eine Folge der von ihnen generierten Kapitaleinkommen. Eine winzige Elite kann in unserem kapitalistischen System machen was sie will, reicher wird sie trotzdem. Das ist Raub. Das Geld, dass in ihre Taschen fliesst, wird von den restlichen 99% der Bevölkerung erarbeitet. Heutzutage weiss kaum jemand, was Kapitaleinkommen überhaupt sind. Während wir uns zu Recht über Millionen empören, die die Vasellas dieser Welt abzocken, weiss niemand, dass die Ikea-Familie Kamprad mal eben eine Milliarde Kapitaleinkommen pro Jahr scheffelt. Diese Milliarden fehlen dann bei unseren Löhnen!

Mit der Initiative zeigen wir einen gewaltigen Widerspruch unseres Systems auf. Ein Widerspruch, welcher auf dem Unterschied zwischen Lohnabhängigen und Superreichen fusst. Ein Widerspruch, welcher zwischen unserer Schein-Demokratie und der Macht der Elite fusst.

Zeigen wir den Superreichen den Mittelfinger und entlasten dabei gleichzeitig Millionen von Menschen in der Schweiz.

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JUSO lanciert entlastungsinitiative

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Vor einer Woche hat die JUSO Kanton Zürich die Entlastungsinitiative lanciert. Es sind bereits über 1300 Unterschriften gesammelt worden!

Jahrelang hat sich eine winzige Elite immer mehr bereichert, während der Grossteil der Bevölkerung das Nachsehen hatte. Die bürgerlichen Parteien überschütteten ihre Klientel mit Steuergeschenken. Die einfache Bürgerin, der einfache Bürger bezahlte dagegen immer mehr. Damit ist jetzt Schluss! Die Entlastungsinitiative sorgt für eine fairere Steuerbelastung und nimmt die Reichen wieder in die Pflicht. Es ist Zeit für eine Steuerreform, von der alle profitieren!
Ziel der Initiative ist eine Anpassung der Steuerprogression der Einkommenssteuer: Der Freibetrag wird auf das Existenzminimum angehoben, hohe Einkommen werden im Gegenzug stärker belastet.

Dadurch werden rund 90% der Bevölkerung entlastet und haben mehr Geld zum Leben.

Worum geht es?

  • Der Freibetrag wird auf das Existenzminimum – rund 20’000 Franken – angehoben. Es ist längst an der Zeit, dass das absolute Minimum, das eine Person zum Leben braucht, nicht besteuert wird.
  • Der höhere Freibetrag sorgt für eine Entlastung bis in Mittelschicht, profitieren doch steuerbare Einkommen bis rund 95’000 Franken. Das sind rund 90% der Bevölkerung.
  • Als Ausgleich wird eine neue Progressionsstufe eingeführt und die Steuersätze der höchsten Stufen erhöht.
  • Der kantonale Steuerertrag sinkt dadurch nicht, im Gegenteil: Es ist sogar mit einem kleinen Überschuss zu rechnen.
  • Konkret würde das für eine Person mit 54‘800 Franken steuerbarem Einkommen 279 Franken Entlastung bedeuten (und nochmals rund gleichviel aufgrund der Gemeindesteuern), für ein Ehepaar mit 72‘000 Franken steuerbarem Einkommen 454 Franken Entlastung. Eine Person mit 400‘000 Franken Einkommen müsste 5047 Franken mehr zahlen.
  • Formal handelt es sich um eine Anpassung des Steuergesetzes (Gesetzesinitiative).

Den genauen Initiativ-Text und weitere Informationen findest du unter: entlastung-jetzt.ch

 

 

 

Alternative Wirtschaftstheorien an der Universität Zürich

Auch dieses Semester gibt es wieder marxistische, feministische und ökologische Ökonomik an der Uni Zürich! Wie bereits vor einem Jahr organisiert der Verein Plurale Ökonomik Zürich die Vorlesung “Plurale Ökonomik”  auch im HS19. 

Bereits 2013 haben VWL-Studierende der Uni Zürich die Lehre an der UZH angegriffen: Sie sei einseitig fokussiert auf die neoklassische Theorie und zu wenig kritisch. Als Antwort darauf hat eine Gruppe Studierender begonnen, eine anrechenbare Vorlesung “Plurale Ökonomik” zu organisieren. Heute, am 19. September startet die zweite Durchführung. Die Vorlesung findet jeweils am Donnerstag von 16:15 bis 18:00 im KOL-F-101 der Uni Zentrum statt, alle Interessierten sind herzlich willkommen. Ziel ist es, die nahezu absolute Vormachtstellung der Neoklassik zu durchbrechen; Am 10. Oktober beispielsweise mit einer Vorlesung zu ökologischer Ökonomik von Irmi Seidl, und am 31. Oktober mit Käthe Knittler zur feministischen Ökonomik. Aber auch marxistische politische Ökonomie oder die Modern Monetary Theory (MMT, spielt für die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders  eine grosse Rolle) haben selbstverständlich ihren Platz in dieser Veranstaltung. 

Aus Sicht von uns Studierenden ist es entscheidend, dass angehende Ökonom*innen in der Lage sind, wirtschaftliche Phänomene aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Insbesondere nach einer Wirtschaftskrise, die viele Mainstream-Ökonom*innen zuvor als unmöglich angesehen hatten, müssen wir unseren Blick wieder kritisch schärfen. Aber die Einseitigkeit der heutigen VWL zeigt sich nicht nur beim Umgang mit der Krise: Statt die Natur als essentielle Voraussetzung unseres Produktionssystem anzusehen, fristet sie in der Neoklassik ein Randdasein. Die ganzheitliche Integration der Natur in unser Wirtschaftsverständnis lässt weiterhin auf sich warten, und die Diskussion über Wachstum wird schlicht nicht geführt. Auch die Frage nach der Rolle von Frauen* in Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, insbesondere aber die Care-Ökonomie ist heute praktisch abwesend. Zudem werden vielversprechende Ansätze der Modellierung vernachlässigt. Unten findest du das Vorlesungsprogramm, mit welchem wir diese Misstände bekämpfen möchten.

 

19.09. Ideengeschichte: Der Ursprung der Ökonomik in der Ethik, Dr. Suzann-Viola Renninger & Prof. Ulrich Woitek / UZH

26.09. Wissenschaftstheorie: Die Mathematisierung der Ökonomik, Dr. Suzann-Viola Renninger & Prof. Ulrich Woitek / UZH

03.10. Inwiefern braucht es eine neue Denkschule? Prof. Marc Chesney / UZH

10.10. Gegen die Naturvergessenheit der Ökonomie (Ökologische Ökonomie), Prof. Irmi Seidl / WSL

17.10. Österreichische Schule – Neoliberalismus (vorläufiger Titel), Rahim Taghizegdan / scholarium Wien

24.10. Die Tretmühlen des Glücks und die damit verbundenen Herausforderungen für die ökonomische Theorie (Glücksforschung), Prof. Mathias Binswanger / FH Nordwestschweiz

31.10. Blinde Flecken, Strategisches Schweigen: Über Geschlechterverhältnisse in der Ökonomik (Feministische Ökonomik), Käthe Knittler / Wien

07.11. Marxismus (vorläufiger Titel), Prof. em. Urs Marti / UZH

14.11. Komplexitätsökonomik (vorläufiger Titel), Noch offen

21.11. Postwachstumsökonomik (vorläufiger Titel), Prof. Angelika Zahrnt / iöw Berlin

28.11. Modern Monetary Theory (MMT) and the post-Keynesian view of government deficits, Prof. Marc Lavoie / University Ottawa

05.12. New Institutional Economics: A progressive research agenda, Prof. em. Claude Menard / Centre d’Economie de la Sorbonne

12.12. Verlust der politischen Ökonomik, Prof. em. Josef Falkinger / UZH

19.12. Diskussionsrunde: Das Studium der Volkswirtschaftslehre an der UZH (vorläufiger Titel), Studierende VWL & Prof. Ralph Ossa (Institutsleiter Department of Economics)

 

Linke Forderungen auf symbolträchtigem Bankenplatz

Heute morgen lancierte die JUSO Kanton Zürich mitten auf dem Zürcher Paradeplatz ihren Nationalratswahlkampf. Präsentiert wurden dabei Forderungen zu den Themen Feminismus, Migration, Rückverteilung und der Klimakrise. Mit einem riesigen schmelzenden Eisblock machten die Jungsozialist*innen zudem symbolisch auf die Unmittelbarkeit der Klimakatastrophe aufmerksam. Artikel ansehen

Keine Steuergeschenke für die Reichen!

Heute hat der Zürcher Kantonsrat die Mittelstandsinitiative der Jungfreisinnigen sowie den Gegenvorschlag des Kantonrates abgelehnt. Die JUSO Kanton Zürich begrüsst diesen Entscheid, wir brauchen nicht noch mehr Steuergeschenke für Reiche, sondern eine Entlastung der tiefen und mittleren Einkommen. Artikel ansehen

Keine Plattform für Homophobie!

Unter dem Titel “Homosexualität verstehen, Menschen lieben” organisierte die Chrischona Affoltern am Albis eine zweiteilige Veranstaltung. Am Dienstag fand ein Vortrag statt, am Sonntag wird es eine Predigt geben. Der Titel der Veranstaltung täuscht: Durchgeführt wird der Anlass von Rolf Rietmann vom Verein «Wuestenstrom». Der Verein ist bekannt für sogenannte Konversionstherapien, durch welche queere Menschen heterosexuell gemacht werden sollen. Homosexualität wird so zu einer Krankheit gemacht, die es zu heilen gilt. Die Auswirkungen für die Opfer solcher Therapien sind oftmals gravierend. Artikel ansehen

Hass ist keine Meinung!

 Gleich zwei queerfeindliche Abstimmungen stehen in den kommenden Monaten an. Die JUSO Kanton Zürich hat daher vor dem Standesamt Zürich zu einem «Kiss in» aufgerufen – unter dem Motto «make love not hate» setzten rund 30 Aktivist*innen ein Zeichen gegen Hass und Diskriminierung. Artikel ansehen